Anmerkungen zur Rede Adolf Hitlers auf der Befreiungshalle bei Kelheim

Es ist schon erstaunlich: Von "Kelheim" ist bei Hitler überhaupt nicht die Rede, auch das Wort "Befreiungshalle" kommt ihm nicht über die Lippen, der Diktator spricht zweimal von "Tempel".

Nicht verwunderlich der außenpolitische Schwerpunkt, schließlich war das Deutsche Reich acht Tage vorher aus dem Völkerbund und der Abrüstungskonferenz ausgetreten, weil "diese ewige Diskriminierung und Entehrung unseres Volkes von uns nicht ertragen wird".

Gleichzeitig durften aber beschwichtigende Friedensbeteuerungen nicht fehlen: "Das deutsche Volk ist nicht kriegslüstern" . . . "Deutschland und das deutsche Volk haben keinen Grund einen Krieg zu wünschen." Man wolle "nichts als unsere Ruhe und unseren Frieden".

Innenpolitisch variiert Hitler in Kelheim das Thema "Volk ohne Raum" ("ein Millionenvolk, zusammengepreßt auf einer engen Grundfläche"), das er schon in "Mein Kampf" formuliert hat: "Demgegenüber müssen wir Nationalsozialisten unverrückbar an unserem außenpolitischen Ziele festhalten, nämlich dem deutschen Volk den ihm gebührenden Grund und Boden auf dieser Erde zu sichern. Und diese Aktion ist die einzige, die vor Gott und unserer deutschen Nachwelt einen Bluteinsatz gerechtfertigt erscheinen läßt . . . " "Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Rußland und die ihm untertanen Randstaaten denken." *

Auffallend die zweimalige Verwendung der Begriffe "treu" und "diszipliniert" im Zusammenhang mit der SA. Befürchtete Hitler, der am 6. Juli 1933 die Revolution für beendet erklärt hatte, Widerstand von Röhms SA, gar eine "zweite Revolution" gegen Reichswehr und Großkapital? Ob tatsächlich ein Umsturzversuch geplant war ("Röhm-Putsch"), ist umstritten, Hitler jedenfalls schlug sich auf die Seite von Reichswehr und Industrie, ließ Ernst Röhm und weitere SA-Führer am 30. Juni 1934 in Bad Wiessee verhaften und am nächsten Tag ermorden.

In einem Punkt hatte Hitler zweifellos Recht: "Wir gehen einer schweren Zeit entgegen und es ist notwendig, daß sich jeder Deutsche dessen bewußt ist."

* zit. nach Reinhard Kühnl, Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten, 2., erw. Aufl., Köln 1977, S. 115.

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